Auf der Dauerbaustelle des Lebens herrschen die Gesetze Schnelligkeit, Belastbarkeit und Vollkommenheit. Aber es gibt keinen perfekten Bauplan, keinen perfekten Bau und keine perfekten Bauleute. Im Feuerwerk der Gefühle kann manches durcheinander gehen. Auf der emotionalen Achterbahn muss man sich gut festhalten, um nicht den Halt zu verlieren. Wechselbäder der Gefühle können eine Entscheidung schnell umwerfen.
Auch sind Konflikte vorhanden, selbst wenn man sie nicht haben will. Die Interessen und Wahrnehmungen sind häufig zu unterschiedlich, die Verteilungs- und Machtkämpfe zu stark; vor allem können die Beziehungskonflikte nicht einfach ausgeblendet werden. Dass auch der „Zufall“ nicht ignoriert werden kann, merken die „perfekten Planer“ spätestens dann, wenn er sie doppelt „bestraft“.
Planen als plante man nicht wird zur Alternative, wenn man in der Hektik und in dem Drang zur Perfektion Zeiten der Entschleunigung, der Zweckfreiheit und des Nachdenkens findet. Wenn Körper, Seele und Geist als Ganzheit und Einheit entdeckt werden, sind neue Gewissheiten möglich: Der ewige Bauherr, der zugleich der unsichtbare, aber im Glauben erfahrbare Architekt des Lebens ist, schenkt die Kraft zur Annahme. Soziales Theaterspiel und seelische Gerichtsverfahren werden überflüssig. Aus geistigen Trümmern kann sogar etwas Neues werden. Das Fundament dabei ist nicht die Perfektion, sondern die Barmherzigkeit. Der Glaube bedeutet dann nicht das Ende der besseren Vernunft, sondern der Anfang vom Neuanfang der liebenden Vernunft und der verantwortungsbewussten Liebe.
Burkhard Budde


