14.11.09 10:56 Alter: 296 days
Buße?!
Kategorie: Moment Mal

Buße?! Kein moderner, geschweige denn cooler, sondern offenbar ein verstaubter und altertümlicher Begriff? Der peinliche Auftritt des Bußpredigers in der Fußgängerzone mit seinen frauenfeindlichen Parolen geht vielen auf die Nerven. Will er vor allem Passantinnen mit der Drohung vor dem Höllenfeuer einheizen? Sie mit einer gehörigen Portion Moralin zur „Untertänin des Mannes“ bekehren? Seine Schreierei bewirkt offensichtlich nur ein müdes Lächeln, selten einen deftigen Kommentar, auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen. Viele bestrafen ihn mit Gleichgültigkeit, andere behandeln ihn wie Luft.

Biblische Buße will demgegenüber nicht bevormunden oder entwürdigen, sondern als Umkehr zu Gott und als Sinnesänderung durch Gott befreien und erneuern. Sie stellt das Ende der Flucht vor der Selbsttäuschung, der Selbsterhöhung und der Selbstsucht dar. Sie ist der Anfang eines Neuanfangs: Sich mit seinen Stärken und Schwächen realistisch anzunehmen, weil man angenommen ist. Von der Barmherzigkeit Gottes zu leben, um selbst erneuert zu werden und barmherzig sein zu können. Den Geist der schöpferischen Liebe und persönlichen Verantwortung zu empfangen, weil man gebraucht wird. Zum Beispiel indem man Flagge zeigt, wenn Menschen diskriminiert, schlecht und runtergemacht werden. Sich für die Würde dieser Personen, für Gleichberechtigung, Fairness und Wahrhaftigkeit einsetzt. Niemand muss zum neuen „Bußprediger“ werden. Denn die christliche Lebenspraxis eines Menschen ist die überzeugendste Einladung zur Umkehr zum liebenden Gott. Und diese alte Botschaft bleibt aktuell und modern.

Burkhard Budde