Über die „Sünde“ und den „Sünder“
Es gibt nicht nur „Steuersünder“, „Essenssünder“, „Verkehrssünder“ und ein „sündiges Treiben“ beim Karneval.
Ständig wird am Buffet der modernen Gesellschaft „gesündigt“. Immer schneller schlürft der Hochmütige seine Austern und verachtet das Brot.
Immer billiger will der Geizige einkaufen und seinen Wohlstand vermehren.
Immer oberflächlicher wird der Wollüstige, der keine gestaltete Menü- Folge, sondern nur einen unappetitlichen Brei kennt.
Immer ungerechter wird der Zornige, der (s)ein Haar im Essen findet und auf die Suppe schimpft, die andere auslöffeln müssen.
Immer maßloser wird der Esssüchtige, der seinen Teller überfüllt und alles einfach in sich reinstopft.
Immer giftiger wird der Neidische, der ständig vergleicht und neue Menüs verhindert. Ihm bleibt der Leckerbissen im Halse stecken.
Immer abgestumpfter wird der Träge, der immer nur im Schnellimbiss isst und die leeren Teller anderer übersieht.
Der moderne Mensch, der sich am Buffet des Lebens mal hier, mal dort bedient, findet eine glückliche Gemeinschaft, wenn er das Wahre, Kostbare und Notwendige entdeckt.
Neues Leben kann gelingen: In der letzten Geborgenheit im Blick auf den Geber aller guten Gaben sowie in Verantwortung vor ihm. Die „Sünde“, die Entfernung zum Schöpfer des Lebens, kann überwunden werden. Da Gott die Sünde als Vertrauensbruch zu ihm verurteilt, den Sünder jedoch als sein Geschöpf liebt, ist ein Neuanfang am Buffet möglich. Nichts muss dann länger verharmlost oder kriminalisiert werden. Die persönliche Verantwortung kann getragen werden.
Das gilt auch für Beobachter und Passanten. Und da keiner ohne Schuld ist, werfe niemand den ersten Stein.
Burkhard Budde


