05.07.10 12:55 Alter: 63 days
Tipp: "Gedächtnisort der Ottonen" als Ausflugsort

In Bad Gandersheim gibt es einen besonderen Schatz: Die museale Ausstellung "Portal zur Geschichte" (PzG) präsentiert in der Stiftskirche und im Kloster Brunshausen den "Schatz des Reichsstiftes".

Am 5. Juli wurde der Museumsleiter Dr. Thomas Labusiak, der als Kustos in den Geschäftsführenden Vorstand der Domschatzverwaltung Halberstadt und Quedlinburg eingetreten ist, von Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen und Trägervereins-Vorsitzenden Dr. Burkhard Budde verabschiedet.

An der Spitze eines „Stammbaumes“ der ottonischen, salischen und staufischen Herrscher steht der Sachse Liudolf. Der erste „Herzog“ von Sachsen wurde vor allem als Garant der Reichsunmittelbarkeit verehrt.

Die Luidolfinger, die Ahnen der ottonischen Kaiser, gründeten 852 ein Frauenstift in Gandersheim. Hier lebten meist adelige Frauen als Kanonissen. Sie beteten für das Seelenheil ihrer Vorfahren, erhielten eine Ausbildung, konnten ihre adeligen Gewohnheiten in der Regel weiter pflegen; manchmal auch das Stift durch Heirat verlassen.

Das Reichsstift Gandersheim stand um 1000 durch die Verwandtschaft der Äbtissinnnen und Kanonissen mit dem ottonischen Herrschaftshaus im Zentrum des Kaiserreiches. Es war eine der Grablegen der Familie. Vor allem jedoch gab es eine kulturelle Blüte, zum Beispiel durch die Werke der Roswithas von Gandersheim (gestorben nach 973), der wohl ersten „deutschen Dichterin“.

Neben dem Frauenstift in Gandersheim gab es ein Frauenstift in Quedlingburg, das 936 für den königlichen Familienzweig der Luidolfinger gegründet worden war. Die Äbtissinnen beider Stifte wurden vom ottonischen und nachfolgend vom salischen Königshaus gestellt.

Unter dem Einfluss der Landesherrn, der Braunschweiger Herzöge, verlor Gandersheim zunehmend an Bedeutung. Im Jahre 1810 ließ König Bonaparte von Westphalen das Reichsstift in Gandersheim aufheben.

Das Frauenstift mit seinem „ottonischen Glanz“ erlebte einen Dornröschenschlaf. Ein neuer Zugang zur alten Geschichte wurde jedoch 1992/95/97 im Zuge der Renovierungsarbeiten der Stiftskirche in Gandersheim „wachgeküsst“, als Teile des Schatzes des Frauenstiftes wiederentdeckt wurden.

Im Jahr 2002 wurde der Trägerverein „Portal zur Geschichte e.V.“ gegründet, der die Bedeutung des freien Reichsstift Gandersheim darstellen will. Die Schätze des Frauenstiftes werden seit dem 5. März 2006 in der romanischen Stiftskirche ausgestellt, seit dem 20. Mai 2007 auch in der ehemaligen Klosterkirche in Brunshausen. Die Finanzierung – etwa 2 Millionen Euro – wurde durch Mittel aus dem Europäischen Strukturförderungsfonds (EFRE), sowie durch Beteiligung aller großen niedersächsischen Kulturstiftungen und weiterer Sponsoren und Förderer ermöglicht.

Das Museum "Portal zur Geschichte" befindet sich an einem authetischen Ort mit einem Alleinstellungsmerkmal und überregionaler Bedeutung. Diese Insel mit einem einzigartigen Chrakter und einem unverwechselbaren Gesicht lädt mitten im Strom der Kultur ein, nicht angesichts der gegenwärtigen Flutwellen unterzugehen, sondern durch die Begegnung mit den tiefen Strömungen der Geschichte die Gegenwart genauer zu betrachten und sie zu bewältigen.

Burkhard Budde