06.02.10 19:27 Alter: 212 days
"Braunschweiger können teilen."

Die "Braunschweigs Stiftung" hatte am 6. Februar zum "Stiftungs-Essen" ins Altstadtrathaus eingeladen.

Die „Braunschweigs Stiftung“ will Gutes tun. Ihr Stiftungszweck, der seit ihrer Gründung am 6. Februar 1794 gilt, lautet, „unschuldig in Not geratenen Bürgern zu helfen.“ Dass die Verwirklichung dieses Zieles nicht immer einfach ist, schilderte Henning Borek von der Stiftung beim „6. Braunschweigs Stiftungs-Essen“ am 6. Februar 2010 in der Dornse des Altstadtrathauses.  

Offensichtlich gibt es nicht selten zu viele bürokratische Bedenken und rechtliche Herausforderungen wie Datenschutzbestimmungen, wenn es darum geht, „unschuldig in Not geratene Braunschweiger“ zu finden. Vor allem „stoßen wir an ein staatliches Organisationssystem, das auf Umverteilung angelegt ist an Stelle von Netzwerken und der Kraft des Einzelnen,“ sagte Borek vor etwa 200 Gästen und forderte, bei sozialen Herausforderungen die „Produktion sozialen Reichtums“ zu ermöglichen und nicht permanent nach dem Staat zu rufen. Er lobte die Braunschweiger, die nicht nur mit Geld umgehen könnten, sondern auch in Notzeiten bereit seien, auf freiwilliger Basis zu teilen.

Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann plädierte in ihrem Grußwort ebenfalls für eine lebendige Demokratie, die vom Engagement der Bürger lebe. Stiftungen seien wegen ihrer Unabhängigkeit besser in der Lage, „auch unbequeme Fragen aufzunehmen.“  Ein „staatlicher Funktionalismus“ berge die Gefahr menschlicher Isolation und Kälte. Da es den typischen Stifter nicht gebe, stellten die Vielgestaltigkeit und Individualität das Besondere der 1184 Stiftungen in Niedersachsen dar.

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann erinnerte an den damaligen Landesvater Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, der „mit eiserner Hand“ gespart habe. „Wir knüpfen grundsätzlich an alte Braunschweigische Traditionen an, wenn wir in der Finanzkrise keine neuen Schulden machen,“  sagte das Stadtoberhaupt.

Vor allem die Wirtschafts- und Finanzpolitik war auch das Thema des Festvortrages, den Wolfgang Kubicki, Mitglied im Bundesvorstand der FDP, hielt. Der Kompass vernünftigen Handelns ziele auf Investitionen, die das Wachstum förderten, „damit auch in Zukunft investiert werden kann.“ An einer Haushaltskonsolidierung jedoch führe kein Weg vorbei. Wörtlich sagte der Politiker, der in Braunschweig geboren und aufgewachsen ist: „Wohlstand kann nicht auf Schulden aufgebaut werden.“ 

In der Einladung heißt es über die "Braunschweigs Stiftung" u.a.: "Am 6. Februar 1794 wurde die "Braunschweigs Stiftung" ins Leben gerufen. Der äußere Anlass war die Rückkehr von Herzog Carl Wilhelm Ferdinand vom Feldzug gegen die französischen Revolutionsheere. Trotz aller Freude der Bevölkerung über die glückliche Heimkehr ihres Landesherren aber wurde nicht vergessen, wie groß soziales Elend und Armut in breiten Bevölkerungskreisen waren. Daher wurde nicht viel Geld in Feierlichkeiten verschleudert, sondern eine Stiftung angelegt, die durch direkte Hilfe Not lindern sollte.

Bereits die erste Sammlung ergab einen Betrag von mehr als 10.200 Talern, der als Stiftungskapital angelegt wurde, und dessen Zinsertrag jeweils am 6. Februar eines Jahres an Notleidende verteilt werden sollte.

Für die Verwaltung der Stiftung wurde festgelegt, dass elf Männer als Konservatoren eingesetzt wurden."