Die Grundzüge unserer Vorstellungen zum Stillen haben wir in einem Merkblatt zusammengefaßt, das jeder jungen Mutter ausgehändigt wird:

„Liebe Eltern,
zunächst möchte ich Ihnen im Namen der Hebammen, Schwestern und Ärzte der Geburtshilflichen Abteilung des Krankenhauses Marienstift herzlich zur Geburt Ihres Kindes gratulieren und Ihnen alles erdenklich Gute wünschen.

In den Vorbereitungskursen, Zeitschriften und Büchern sowie durch Mundpropaganda haben Sie sich mit der Frage des Stillens bereits beschäftigt.

Wir alle möchten Sie in Ihrem Willen bestärken, die natürliche Brustmilchernährung durchzuführen. Alle bisherigen Untersuchungen haben die eindeutige Überlegenheit der Muttermilchernährung gegenüber alternativen Ernährungsformen bestätigt. Muttermilch ist die von der Natur vorgesehene Nahrung des Säuglings in den ersten Lebensmonaten.

Im folgenden möchte ich Sie mit den Grundregeln des Stillens in den ersten Lebenstagen, wie wir es empfehlen, bekannt machen.

1. Kurz nach der Geburt wird das Kind im Kreißsaal unter Anleitung der Hebamme angelegt. Das Neugeborene soll häufig angelegt werden. Ein Rhythmus zwischen zwei und vier Stunden ist zu empfehlen. Feste Stillzeiten müssen nicht eingehalten werden. Ein sonst gut trinkendes Baby soll nicht aus dem Schlaf genommen werden. Bei jedem Anlegen des Kindes soll von beiden Seiten getrunken werden, jedoch ist die Muttermilchmenge in den ersten Stunden gering. Es ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr der stillenden Mutter zu achten, die ca. 2 Liter pro Tag betragen soll.

2. Verlieren Sie nicht die Geduld, wenn es mit dem Stillen in den ersten Tagen nicht gleich perfekt klappt. Gönnen Sie sich und Ihrem Kind ein wenig Zeit zum Erlernen dieses Vorgangs. Eine Zufütterung erfolgt zunächst prinzipiell nicht. Bei Verzögerungen des Milcheinschusses oder unzureichender Milchbildung wird, um Allergien vorzubeugen, immer eine hypoallergene Nahrung gefüttert. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollten Sie notwendige Entscheidungen über die Art der Nahrung mit Ihrem Kinderarzt abstimmen.

3. Die Gewichtskontrolle der Neugeborenen (nackt) wird auf einmaliges Wiegen in der Zeit zwischen 0 und 5 Uhr begrenzt.

4. Die Kinderärzte Dr. Jörg Dräger und Dr. Kurt Augustin kommen nach Absprache ins Haus und führen in der Regel an Ihrem Entlassungstage die Vorsorgeuntersuchung U2 durch. Sie sind anwesend, so dass Sie Ihre Fragen an den Kinderarzt stellen können.

5. Die genannten Empfehlungen gelten nur für reif geborene Kinder. Untergewichtige oder unreife Neugeborene müssen individuell betreut werden.

6. Sollten Sie sich aus Gründen, die nicht unserer Bewertung unterliegen, nicht zum Stillen entschließen, werden Sie selbstverständlich von den Schwestern und Ärzten über die Flaschenernährung informiert und bei den diesbezüglichen Handhabungen unterstützt.

Diese Punkte sind natürlich nur Rahmenempfehlungen, in die sich Ihre Individualität und die Maßnahmen für Ihr Kind speziell einpassen lassen.