Designelement: Kopfgrafik Startseite

20 Jahre Klinik für Handchirurgie und angeborene Handfehlbildungen

„Es war die Stunde null. Es war wie Liebe auf den ersten Blick.“ Chefarzt Dr. med. Niels Benatar beschreibt den Moment, als ihm klar wurde, welche Fachrichtung in der Medizin, ja welches Spezialgebiet, für ihn das Richtige ist. Das war im November 1987 als er als junger Assistenzarzt den „Wiener Handkurs“ besuchte. „Ich konnte nachts nicht mehr schlafen! Ich war Feuer und Flamme.“ Diese Erkenntnis ist 30 Jahre her. Aus dem einstigen Assistenzarzt ist ein international anerkannter Handchirurg geworden. Seine Klinik für Handchirurgie und angeborene Handfehlbildungen im Krankenhaus Marienstift feiert jetzt ihr 20. Jubiläum.

Am 1. Januar 1997 begann die Erfolgsgeschichte der Klinik. „Eine Neugründung war für mich besonders reizvoll und spannend. Ich hatte schon früh genaue Vorstellungen, wie meine Klinik für Handchirurgie auszusehen hat“, so Benatar. Aber nicht immer war der Start der neuen Klinik einfach. „Es war anstrengend. Ich habe das erste halbe Jahr jeden Patienten operiert und sämtliche Visiten gemacht.“ Trotzdem er unter anderem durch seine gute Vorbereitung und seinen guten Ruf keine Patienten akquirieren musste – noch vor dem Start waren seine OP-Pläne für die ersten drei Monate bereits voll ausgelastet – haderte Benatar oft mit der Situation: Hatte er alles richtig gemacht? An alles gedacht?

Scheinbar ja! Dies belegen die heutigen Patientenzahlen und der hohe Bekanntheitsgrad der Klinik. Seit 2014 wird Benatar auf der Focus-Liste der „Top Mediziner Handchirurgie“ geführt. Aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland kommen Patienten, um sich von Benatar und seinem Team operieren zu lassen. Hin und wieder sogar aus den USA oder anderen Teilen der Welt. Ein besonderer, überregionaler Schwerpunkt ist die Behandlung und langjährige Nachsorge von Kindern mit angeborenen Handfehlbildungen.

Diese kleinen Patienten liegen Benatar besonders am Herzen: „Als ich als junger Arzt zum ersten Mal die abnormen Kinderhände sah, die Unvollendeten, da war ich tief bewegt.“ Wenn er heute Kinderhände operiert, so erklärt er, dann operiert er einerseits für das Kind auf lange Sicht gesehen, aber auch für die Eltern, die sich vielleicht mit der Frage quälen, warum ihr Kind eine Fehlbildung hat.

Jede Handfehlbildung ist anders und es fasziniert den Chefarzt immer wieder, wie man dann durch eine Operation in der Hand neue Funktionen erschaffen und so helfen kann. So wie er dem damals acht Monate alten litauischen Mädchen Vytautė Valaitytė helfen konnte. Die heute fast erwachsene junge Frau meldete sich bei Benatar per YouTube-Video und zeigte, wie gut sie inzwischen Klavier spielen kann. Für die damals kleine Patientin keine Selbstverständlichkeit, da sie an der rechten Hand mit einer kleinen Faust auf die Welt kam. Dank der Operation hat sie jetzt eine voll funktionierende Hand mit vier Fingern.

Viele Eltern, die mit Kindern wie Vytautė zu Benatar und seinem Team kommen, sind glücklich mit den Ergebnissen der Operationen. Benatar hingegen empfinde häufig Demut und Belastung, da die Eltern so viel von ihm erwarten. Gleichzeitig sei es überwältigend, welches Vertrauen ihm die Eltern entgegen bringen: „Sie vertrauen einem ihr Kind, das Wichtigste an!“ Leider wisse er auch, dass er nicht allen helfen kann und es frustriere ihn, wenn er an seine Grenzen stoße. Wenn er dann beobachtet, wie hingebungsvoll Eltern mit ihren Kindern und dem gemeinsamen Schicksal umgehen, zeige sich, wie relativ Glück ist. Und wie wichtig es sei, sich auf das wirklich Wichtige im Leben zu konzentrieren: „Nichts von dem, was man tut, hat man sich selbst zu verdanken. Dazu gehören immer viele Menschen, viele Einflüsse und Glück. Das, was einem vertraut erscheint, muss man immer wieder neu entdecken und immer wieder mit Bewunderung ansehen.“

» Zurück